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Nostradamus

Michel Notre-Dame, Nostradamus

In den Tagen, da es in Europa noch viele Zaubermeister gab, lebte in Frankreich ein Mann namens Michel Notre-Dame (Nostradamus genannt), der von Beruf Arzt und Astrologe war und außerdem über die Gabe der Prophetie verfügte. Er sagte den Tod von Königen voraus, den Untergang von Städten sowie eine große Zahl anderer bedeutender Ereignisse; allerdings waren die Verse, in die er seine Vorhersagen kleidete, so rätselhaft, daß viele nie richtig gedeutet werden konnten.

Die Leute meinten, daß er seine Prophezeiungen aus der Beobachtung der Sterne ableitete, aber seine Kraft war eindeutig angeboren und nicht das Ergebnis astrologischer Studien – wie eine schlichte Erzählung zeigt:

Einst besuchte Nostradamus in seiner Eigenschaft als Arzt einen Burgherren, dessen Mutter von Schmerzen geplagt war. Als die beiden Männer sich im Innenhof der Burg besprachen, gewahrte der Adlige zwei Schweine – ein schwarzes und ein weißes – und schlug mit einem Lächeln vor, der Arzt solle die Zukunft der Tiere vorhersagen. Nostradamus antwortete ohne Zögern, daß er und der Burgherr das schwarze verzehren würden und ein Wolf das weiße. Um Nostradamus einen Streich zu spielen, ordnete der Burgherr heimlich an, daß das weiße Schwein zum Abendessen gebraten werden sollte und nicht das schwarze. Beim Nachtmahl teilte er Nostradamus mit – wobei er beim Gedanken an seinem List vor Vernügen mit den Lippen schmatzte -, daß sie soeben das weiße Schwein aßen. Nostradamus verneinte das, und so wurde die Köchin herbeigeholt, um den Streit zu schlichten.

Sie gestand ihrem Herrn, daß sie in der Tat das schwarze Schwein verzehrten. Sie hatte das weiße geschlachtet und wie befohlen zum Braten vorbereitet. Als sie es jedoch umbewacht in der Küche züruckließ, nagte es ein zahmer Wolf so gründlich ab, daß sie sich gezwungen sah, auch das schwarze zuschlachten, und von dem stammte das Fleisch, das sie serviert hatte.